In Bethanien wurde Jesus getauft
„Jordanien – Land und Fluss der Taufe“. Unter dieses Motto hatte die jordanische Tourismusbehörde das Jahr 2000 gestellt. Denn im Mittelpunkt der Feiern anlässlich des 2000. Geburtstages von Jesus Christus stand Bethanien, die wiederentdeckte Wirkungsstätte von Johannes dem Täufer am Jordan-Fluss.

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Kreuz auf dem Berg Nebo. Foto: FVA Jordanien
Im Jahr 2000 besuchten 150.000 Touristen und Pilger Bethanien. Papst Johannes Paul II würdigte die Bedeutung der Fundstätte am Ostufer des Jordans mit der Feier einer Heiligen Kommunion in Bethanien am 21. März 2000 im Rahmen seiner 2-tägigen Jordanienvisite.
Der Ort des biblischen Bethaniens, wo Jesus von Nazareth von Johannes dem Täufer getauft wurde, liegt etwa zwei Kilometer östlich des heutigen Flusslaufes des Jordans und 15 Kilometer nordöstlich der Jordanmündung am Toten Meer. Die Ausgrabungsstätte befindet sich 20 Kilometer östlich von Jericho und bildet eine natürliche Achse auf dem Weg zum Berg Nebo, einem weiteren wichtigen Pilgerziel früher Christen.

Seit 1996 sucht ein Ausgrabungsteam von 100 Personen unter Leitung des jordanischen Archäologen Dr. Mohammad Waheeb unter Beachtung der international gültigen Standards nach den Überresten des in zahlreichen frühen Pilgerberichten aus dem 6. und 7. Jahrhundert n. Chr. beschriebenen Ortes. Auf dem mehrere Quadratkilometer großen, sich bis an die Ufer des Jordans erstreckenden Bethanien-Areal zu beiden Seiten des Tales Wadi al-Kharrar, das noch heute mit 14 Quellen als sehr wasserreich gilt, wurden bisher ein verzweigtes antikes Wasserleitungssystem mit Zisternen, Überreste von zehn Kirchen mit schönen Mosaiken aus der spätrömischen und byzantinischen Epoche, Einsiedlerhöhlen sowie große Taufbecken entdeckt. Ein faszinierender Fund ist eine Kirche, die nahe der ehemaligen Talmündung des Wadi al-Kharrar in den Jordan erbaut wurden. Ungewöhnlich ist die Bauweise der Kirche. Der Fußboden ist auf Steinsockeln errichtet, wahrscheinlich um Überschwemmungen in dem Ufergebiet zu entgehen. Der scheinbar ungeeignete Ort für ein sakrales Bauwerk und die Tatsache, dass die Kirche mindestens zweimal erneuert wurde, könnten Hinweise dafür sein, dass diese Stelle den frühen Christen als besonders heilig galt. Die Archäologen vermuten, dass Pilger hier dem Ort der Taufe Jesu Christi durch Johannes gedenken wollten.
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Taufstätte jenseits des Jordans. Foto: FVA Jordanien
Einen Großteil der Ausgrabungsfunde können die Archäologen bereits Besuchern präsentieren. Darunter ist der sogenannte Elias-Hügel mit Kirchen und Taufbecken, der als Mittelpunkt von Bethanien gilt. Zukünftig sollen Besucher auch die Möglichkeit erhalten, bis an die Ufer des Jordans zu treten. Neben der Sicherung und Präsentation der archäologischen Funde und Ausgrabungen steht deshalb auch die Verbesserung der regionalen Infrastruktur im Mittelpunkt der Arbeiten. Eine neue Zufahrtsstraße wird schon jetzt genutzt und ein etwa 1.000 Meter von der archäologischen Stätte entfernt liegendes Besucherzentrum mit Museum und Parkplatz wird Mitte 2001 eröffnet. Das jordanische Ministerium für Tourismus und Altertümer plant den Besuchern Bethaniens zukünftig einen Transportservice mit Elektrobussen zur Verfügung zu stellen.

Die archäologische Stätte selbst wird derzeit mit Schautafeln, gepflasterten Wegen, einem Pilgerweg zum Gedächtnis an den Täufer sowie einem neuen Taufbecken für Pilgergruppen und christlich motivierte Besucher ausgestattet.

Orthodoxe Kirchentraditionen seit dem 3. Jahrhundert haben das Gebiet um Bethanien östlich des Jordans immer mit Johannes assoziiert. Die archäologischen Funde dokumentieren zudem eine antike Pilgerroute, die Jerusalem, den Jordan-Fluss, Bethanien und den Berg Nebo miteinander verband.
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Ein biblischer Ort ist die Höhle des Lot. Foto: FVA Jordanien
Vor 2000 Jahren lebte und taufte Johannes in der Siedlung Bethanien, auf die in der Bibel nicht nur unter Johannes 1, 28 als „Bethanien jenseits des Jordan, wo Johannes taufte“ verwiesen wird, sondern auch in Johannes 10, 40, als Jesus vor seinen Feinden aus Jerusalem floh: „Dann ging er wieder über den Jordan an die Stelle, wo Johannes früher getauft hatte, und dort blieb er.“

Das antike Bethanien wird in der Bibel zuweilen auch als Perea, Bethania oder Bethabara bezeichnet. Unter letzterem Namen ist der Ort auch auf der berühmten Mosaiklandkarte in der St. Georgskirche im jordanischen Madaba dargestellt. Die Siedlung Bethanien, in der Johannes lebte und taufte, darf allerdings nicht mit dem Dorf Bethanien, nahe Jerusalem, der Heimat des Lazarus, verwechselt werden.

Das Bethanien des Johannes im heutigen Königreich Jordanien liegt 45 Kilometer westlich von Amman (ca. 30 Minuten Fahrtzeit) und wurde immer wieder mit biblischen Propheten und Geschichten in Verbindung gebracht. Dazu gehören neben der Taufe von Jesus Christus durch Johannes den Täufer auch die Überquerung des Jordans durch Joshua, die letzten Tage von Moses sowie die Propheten Elia und Elisa. Die Bibel erzählt, dass Elia die Wasser des Jordans teilte und den Fluss trockenen Fußes mit seinem Nachfolger, dem Propheten Elisa, überquerte, bevor er in den Himmel emporstieg (2. Buch Könige 2, 5-14). Jener kleine Hügel, von dem Elia „... im feurigen Wagen mit feurigen Rossen im Wetter gen Himmel ...“ aufstieg, ist seit Jahrhunderten als Elia-Hügel bekannt und bildet das Herz Bethaniens.
Quelle: FVA Jordanien / pairola-media.com

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